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"Hat man was gesehen???"
Die Helmholtzschen Wirbelsätze

Wirbelstürme
(Catharina Claus)
Ein meteorologischer Einstieg in unser Thema "Wirbel": Wirbelstürme,
ein faszinierendes Naturereignis von ungeheurer Energie und Schönheit.
Grob gesehen gibt es zwei Arten von Wirbelstürmen: Hurrikans und
Tornados. Für diese beiden Arten gibt es mehrere Namen, die jedoch
dasselbe Phänomen beschreiben. Ob ein Hurrikan als "Taifun", "Zyklon",
oder "Willy-willy" bezeichnet wird, hängt davon ab, ob er sich im
Bereich des nördlichen Indischen Ozeans (Zyklon), des nordwestlichen
Pazifiks (Taifun), des Atlantiks (Hurrikan) oder vor Australien (Willy-willy)
bewegt. Allgemein wird er als tropischer Wirbelsturm bezeichnet. Tornados
heißen im deutschsprachigen Raum Tromben oder Windhosen und in England
Devils. Der grundlegende Unterschied zwischen Hurrikans und Tornados besteht
darin, daß Hurrikans über warmen tropischen Meeren (ca. 26°C)
entstehen und dann je nach Hemisphäre in Richtung Norden bzw. Süden
ziehen. Tornados hingegen entstehen über dem Festland, sind viel kleinräumiger
und kurzlebiger.
TORNADOS
Tornados entstehen bei einer bestimmten Wetterlage. Es müssen zwei
große Luftmassen unterschiedlicher Temperatur und Feuchtigkeit aufeinandertreffen.
Außerdem muß in großer Höhe starker Seitenwind herrschen,
der die aufsteigende warme Luft in Zirkulation versetzt. Es entsteht ein
immer schneller und enger werdender Wirbel (vergl. 3. Helmholtzscher Wirbelsatz:
Wenn die Fläche des Wirbels kleiner wird, wird die Winkelgeschwindigkeit
höher). Nun bildet sich der typische Wolkenschlauch aus, der aus der
Gewitterwolke heraus in Richtung Boden wächst. Sobald er den Boden
erreicht hat, wird er zum wirbelnden Ungeheuer. Er saugt alles auf,
was sich in den Weg stellt bzw. im Weg steht, und zwar nicht nur Staub
und Blätter, sondern auch große Gegenstände, z.B. Bäume
und Autos. Ein Tornado hat auf dem kleinen Raum von 50-500 m Durchmesser
Windgeschwindigkeiten von 270-360 km/h. Doch dies ist nicht die einzige
zerstörende Kraft des Tornados. Im Auge des Tornados fällt innerhalb
von Minuten der Druck so stark ab, daß Häuser regelrecht explodieren,
weil innerhalb so kurzer Zeit kein Druckausgleich möglich ist.
Ein Tornado kann theoretisch überall entstehen, wo es zu den beschriebenen
Bedingungen kommen kann. Besonders häufig entstehen Tornados jedoch
in dem sogenannten Tornadogürtel der USA ( von Texas bis South Dakota
), weil dort die nötigen Bedingungen durch geographische Gegebenheiten
begünstigt werden. Ein warmer, aus dem Golf von Mexico kommender Luftstrom
wird von den Rocky Mountains noch Norden abgelenkt. Darüber lagert
sich der kalte Hauptluftstrom aus Westen. Hinzu kommen noch kalte Fallwinde
aus den Rocky Mountains. In diesem Gebiet gibt es jährlich etwa 700
Tornados.
{hier Abb 2} {hier Abb 3}
Ein Tornado Ein Hurrikan vor der Küste der USA
HURRIKANS
Hurrikans entstehen über warmen tropischen Meeren, die als Energiequelle
fungieren. Der Hurrikan bezieht seine Energie durch die bei der Kondensation
von Wasserdampf frei werdende Wärme. Auf noch nicht ganz geklärte
Weise wird aus den in diesen Breiten normalerweise recht kleinen Störungen
in der Atmosphäre ein Wirbelsturm. Es entsteht ein Sog nach oben,
indem eine Divergenz (auseinanderströmende Luft) in großer Höhe
eine in Meereshöhe befindliche Konvergenz (zusammenströmende
Luft) verstärkt. Die aufsteigende Luft bildet einen Wirbel um das
bis zu 65 km breite, windstille Auge des Hurrikans. Der Drehsinn wird durch
die Corioliskraft bestimmt. Die Corioliskraft ist eine Kraft, die durch
die Rotation der Erde entsteht und die Luftströmungen, z.B. zu
einem Tief hin, auf der Nordhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn und auf der
Südhalbkugel mit dem Uhrzeigersinn ablenkt. Im Gebiet des Auges herrscht
ein viel geringerer Druck als im übrigen Gebiet des ca. 500 km Durchmesser
aufweisenden Hurrikans. Der Druckabfall ist genauso stark wie beim Tornado.
Er erfolgt jedoch über einen Zeitraum von 6 Stunden, so daß
eine Anpassung des Drucks in geschlossenen Räumen möglich ist.
Die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten eines Hurrikans liegen bei
220 km/h. Die zweite zerstörende Kraft ist die Flutwelle, die einem
Hurrikan vorauseilt. Nicht nur deshalb sind Hurrikans hauptsächlich
eine Gefahr für Küstengebiete. Über dem Land lösen
sich Hurrikans relativ schnell auf, zum einen weil sie von ihrer Energiequelle
dem Meer getrennt werden, zum anderen weil die Reibungskräfte über
dem Land erheblich höher sind.
Die Hurrikans werden zur globalen Verständigung in Wissenschaft
und Medien benannt, und zwar bekommt der erste Hurrikan jeden Jahres einen
Namen mit A, der zweite einen mit B usw. 1995 gab es z.B. 19 Wirbelstürme
von (A) Alison bis (T) Tanja ( I, J als ein Buchstabe).
Zum Schluß ein Blick in die Zukunft: In der Meteorologie kusieren
verschiedene Modelle: Ein Modell nimmt ein Zusammenhang zwischen
der Wassertemperatur und der Windgeschwindigkeit eines Hurrikans
an. Das hättezur Folge, daß die Geschwindigkeiten von Hurrikans
auf Grund des Treibhauseffekts auf 400 km/h ansteigen würden. Zu diesem
Modell gibt es eine Gegenmodell, das besagt, daß sich durch die Erderwärmung
nichts ändern wird, weil es auf die Temperaturdifferenz
zwischen den hohen Luftschichten und dem Wasser ankommt und nicht auf die
Wassertemperatur alleine.
Kleiner Tip: Einen Wirbelsturm zum Anfassen gibt es im Technorama in
Winterthur/Schweiz.
Oder noch einfacher: Ein Tornado zum Selbstbauen.
Zutaten: 2 Plastikcolaflaschen, 1 Dichtungsring ( 3/4 Zoll) , 1 Stück
Gartenschlauch, das auf den Flaschenhals paßt
Bauanleitung: eine Flasche mit Wasser füllen und etwas Konfetti
dazu; das Stück Gartenschlauch über die Öffnung der Flasche
stülpen; den Dichtungsring einlegen und die zweite Flasche in das
andere Ende des Schlauches stecken; fertig.
Nun dreht man die beiden Flaschen so, daß die gefüllte Flasche
oben ist und versetzt das Wasser in Rotation, schon hat man den Sturm in
der Flasche.
Je mehr sich die Konfetties dem Wirbelkern nähern, desto höher
wird ihre Geschwindigkeit. (vergl. Geschwindigkeitsverteilung im Wirbel)
Hendrik Hoeth
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e-mail: hendrik@philippi-trust.de