Inhalt          Der Strömungswiderstand          Noch alle Zacken in der Krone?

Leonardo da Vinci

(Miriam Philipp, Barbara Laika)

Leonardo da Vinci (1452-1519), vor allem als Maler berühmt, befaßte sich, wie in seiner Zeit üblich, nicht nur mit Kunst im weitesten Sinne, neben der Malerei mit Architektur und Bildhauerei, sondern er war auch auf vielen anderen Gebieten tätig, die allerdings oft mit seiner Malerei in Zusammenhang standen.

Leonardo vertrat als Philosoph die Auffassung, daß die Realität am besten durch den Sehsinn erfaßt werden kann und deshalb die Malerei die höchste Kunst und Wissenschaft ist. Dabei versuchte er auch unsichtbare abstrakte Kräfte, die in der Natur wirken, wie Wind und Strömungen darzustellen. Als Naturwissenschaftler und Forscher brachte er seine theoretischen Überlegungen zuerst als Experimentskizzen zu Papier , um seine Theorien anschließend praktisch zu beweisen und sie so mit der Wirklichkeit zu verbinden. Auf die Anwendung seiner Erkenntnisse legte er sehr viel Wert, was sich auch in seiner Arbeit als Ingenieur zeigte.

In allen Disziplinen beschäftigte sich Leonardo mit dem Element Wasser, dem er sowohl lebensspendende als auch lebensvernichtende Eigenschaften zuschrieb. Er versuchte, das Verhalten von Wasser zu analysieren und erforschte die Strömungen in Flüssen, wie die Entstehung von Windungen. Als verantwortlicher Ingenieur für die Wasserstraßen der Poebene interessierten ihn die Erosionen im Flußbett und deren Vermeidung. Er beobachtete auch Umströmungen verschiedener Hindernisse, wie Brückenpfeiler und die sich dabei ausbildenden Wirbelsysteme verschiedenster Art.

In weiteren Studien zum Thema Wasser untersuchte er, wie sich ein aus einer Öffnung stürzender Wasserstrahl verhält. Mit Hilfe schwimmender Gegenstände stellte er fest, daß das Wasser sich nicht von alleine bewegt, sondern daß die Strömung die einzige Ursache für die Bewegung des Wassers ist. Sein Ziel war es, die verschiedenen Strömungsformen zu beschreiben und vor allem zu systematisieren. Dabei griff er auf Analogien zurück, indem er die Strömungen mit dem Fall von Haaren und mit Ährenfelder verglich. Im Gegensatz zu seinen sehr detaillierten Zeichnungen der Wirbel und Strömungen, die alle Einzelheiten der Realität überdeutlich widerspiegeln, wirken seine Erklärungen allerdings umständlich und schwerfällig (siehe Zitat):

Abb. 13: "Beobachte die Bewegung an der Oberfläche des Wassers, die der von Haaren gleicht, welches zwei Bewegungsarten hat; eine hängt vom Gewicht des Haares ab, die andere von der Richtung der Locken; so bildet das Wasser strudelnde Wirbel, von denen ein Teil durch die Hauptströmung verursacht wird, und der andere durch die Nebenströmung und den Rückfluß." (Mit Rückfluß bezeichnet Leonardo die Strömung entgegen der Hauptströmung)

Durch seine Liebe zum Detail und sein genaues Hinsehen hat Leonardo eine Möglichkeit gefunden, mit seinen Zeichnungen so komplexe Naturphänomene wie turbulente Strömungen anschaulich zu beschreiben und zu systematisieren.


Autoren: 
Miriam Philipp, Barbara Laika